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Ausführung
Riemenschneider fertigt seinen Altar in einer neuen Technik. Die Figuren und das Gehäuse werden nicht farbig gefasst, also nicht mit Kreidegrund überzogen und mehrfarbig bemalt. Er schnitzt vielmehr sehr detaillierte Figuren, die er mit einer Art Lasur einfarbig, monochrom überzieht. Nur Augen und Lippen erfahren eine farbige Behandlung. Der Münnerstädter Altar ist einer der ersten Altäre im süddeutschen Bereich in dieser neuen Technik. Genau dies findet nicht das Gefallen der Münnerstädter. Sie suchen schon bald nach einem geeigneten Maler, der den Altar farbig fassen kann. Ihre Wahl fällt auf Veit Stoß, den großen Nürnberger Meister. 1504 bemalt er für 222 Gulden Figuren, Reliefs und Gehäuse. Dabei geht er sehr vorsichtig zu Werke. Für die Rückseite der Flügel malt er die vier Tafelbilder der Kilianslegende. Nach Nürnberg zurückgekehrt, fertigt er später ebenfalls einfarbig gefasste Figuren und Altäre, so den "Bamberger Altar".
Geschichte
In der mehrfarbigen Fassung des Veit Stoß schmückt der Altar zur vollsten Zufriedenheit der Münnerstädter die Kirche. 1649 entspricht der inzwischen baufällige Altar nicht mehr dem "Geschmack" der Zeit. An Stelle des "alten" gotischen Werkes errichten die Münnerstädter bis 1653 jetzt einen Altar im Stil des Barock. Der Neustädter Maler Caspar Hans fertigt dafür 1650 ein großes Tafelbild mit Erscheinung des auferstandenen Christus vor Maria Magdalena (jetzt an der rechten Chorwand). Riemenschneiders Werk wird eingelegt, Figuren und Reliefs neu gefasst und teilweise in den neuen Altar eingestellt. Der Rest wird im Laufe der Zeit weggegeben (jetzt in München und Berlin, der Verbleib der Marienfigur ist unbekannt). 1833 entsteht an Stelle des barocken Altars ein neugotischer Schrein, in den die in Münnerstadt verbliebenen Werke von Riemenschneider neben anderen eingestellt werden. Zusätzlich beschafft man zwei gotische Bildtafeln des Nürnberger Malers des Deichsler -Altares aus der Zeit um 1420, einen "Marientod" (Sterbeszene der Muttergottes) und ein Predella-Bild Maria mit Märtyrern (aus der Abtei Heilsbronn), beide jetzt an der Stirnwand des linken Seitenschiffes. Das Gehäuse dieses neugotischen Altares wird durch einen Blindgänger, der 1945 den Chor der Kirche trifft, zerstört. Ab 1970 bemüht sich der damalige Stadtpfarrer P. Hugolin Landvogt OSA im Bunde mit dem Verein "Freunde des Riemenschneideraltares" um eine Wiedererrichtung des verlorenen Altares des großen Meisters. 1981 wird ein neues Gehäuse mit Schleiern, Rankenwerk und Gesprenge von Julian Walter im Chor aufgestellt. Die in Münnerstadt verbliebenen Originale von Riemenschneider werden ergänzt mit meisterhaften Kopien der außerhalb Münnerstadts befindlichen Figuren, gefertigt von Lothar Bühner. 1992 vervollständigen Kopien der fehlenden Originalreliefs im linken Flügel den Schrein. 1999 füllt eine im Stil Riemenschneiders gefertigte Marienfigur von Lothar Bühner die Stelle in Gesprenge, an der einst das heute verschwundene "hubsch Marienbild" von Riemenschneider stand.
Münnerstadt besitzt mit den Arbeiten von Riemenschneider Kunstwerke von Weltrang. Mit dem neuen Altar ist ein würdiger Rahmen für die Originale aus der Hand des Meisters entstanden. Die Kopien vervollständigen in großartiger Weise das Bildprogramm und bieten dem Besucher einen einzigartigen Einblick in das Werk des großen Tilman Riemenschneider. Originale Werke aus der Hand Riemenschneiders im neuen Münnerstädter Altar sind der hl. Kilian und die hl. Elisabeth im Schrein, der Gnadenstuhl, der hl. Johannes der Evangelist und der hl. Johannes der Täufer im Gesprenge, der Engel beim Evangelisten Matthäus in der Predella links und die beiden Relieftafeln im rechten Flügel des Altares: letzte Kommunion und Grablegung der hl. Maria Magdalena. Die restlichen Figuren sind Kopien: Maria Magdalena mit Engeln im Schrein (Original in München), die vier Evangelisten in der Predella (Originale in Berlin), die Relieftafeln im linken Flügel: Gastmahl im Hause des Pharisäers links oben (Original in München) und Erscheinung des Auferstandenen (Original in Berlin). Die Marienfigur im Gesprenge oben links ist frei nach Riemenschneider gestaltet.
Besichtigung
- Öffnungszeiten der Kirche: Mai bis Ende September täglich von 8.00 - 18.00 Uhr, Oktober bis April täglich 8.00 - 16.00 Uhr, an Sonn- und Feiertagen erst nach Beendigung des letzten Gottesdienstes gegen 11.30 Uhr. Während eines Gottesdienstes ist keine Besichtigung möglich.
- Fotografieren zu gewerblichen Zwecken und Verwendung von Blitzlicht ist nicht gestattet.
Führungen mit detaillierten Erläuterungen (Dauer 30 Min - 60 Min) über
Literatur:
Über den Buchhandel oder bei den angegebenen Stellen kann ein reich bebilderter Führer aus der Langewiesche-Bücherei "Die Magdalenenkirche in Münnerstadt" ISBN 3-7845-0952-5 bezogen werden.
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