Die Kilianslegende
- Bildtafeln des großen Veit Stoß -

 

Die Stadtpfarrkirche Münnerstadt birgt neben den Werken des Magdalenen-Altares von Tilman Riemenschneider und den großartigen Glasmalereien des frühen 15.Jahrhunderts in den sieben Chorfenstern ein weiteres Werk von überragender Bedeutung.

Geschichte:

Schon kurz nach der Errichtung des großen Alters durch Meister Tilman aus Würzburg suchen die Münnerstädter einen renommierten Maler. Er soll den einfarbig gefassten Altar zu Ehren von Maria Magdalena so bemalen, dass er ihren Vorstellungen entspricht. Möglicherweise über Katharina Trummer, Tochter des großen Veit Stoß aus Nürnberg, nimmt man Kontakt zu ihrem Vater auf. Katharina Trummer lebt zu jener Zeit mit ihrem Mann Jörg in Münnerstadt.
Veit Stoß, 1496 hochgeehrt aus Krakau nach Nürnberg zurückgekehrt, steht in seiner Heimatstadt wegen einer schlimmen Tat vor Gericht und wird hart bestraft. Aus Angst vor dem Gefängnis flieht er trotz Verbot 1504 nach Münnerstadt. Dort führt er den Auftrag aus, den Riemenschneider-Altar "zu vassenn, zu malen, verguldenn und awßzubereytenn". Er bemalt Figuren, Reliefs, Gehäuse usw. im Stil der Zeit: Er überzieht alles mit einem feinen Kreidegrund, um die Details nicht zu verdecken, und belegt es mit verschiedenen Farben. Er schafft so eine polychrome oder mehrfarbige Fassung. Für die Rückseite der Flügel fertigt er die vier Tafeln der Kilianslegende. Veit Stoß ist somit Bildschnitzer, Fassmaler und Maler. Von ihm sind nur wenige Bilder überliefert, was die Bedeutung der Münnerstädter Tafeln noch steigert. Für die gesamte Arbeit am Altar erhält er 222 Gulden Lohn. Nach seiner Rückkehr nach Nürnberg arbeitet Veit Stoß ebenfalls einfarbig wie sein Kollege Riemenschneider, so etwa am großen Altar, der jetzt im Dom zu Bamberg steht.
Nach dem Abriss des Riemenschneider-Altares im Jahre 1649 behalten die Münnerstädter die Tafeln von Veit Stoß als eigenständige Kunstwerke in ihrer Kirche. Sie beschneiden sie dabei seitlich um 20 cm. Heute hängen sie an der linken Seitenwand des Chores.

Darstellung

Auf den vier Tafel erzählt Stoß die Geschichte vom Martyrium der Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan.

 

 

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  • Bild oben links: Gozbert, der Herzog der Franken, lebt mit Gailana, der Frau seines Bruders zusammen. Kilian fordert den Herzog auf, diese Verbindung zu beenden.
  • Bild oben rechts: Gailana beauftragt zwei Bedienstete, den unbequemen Mahner und seine Begleiter zu ermorden.
  • Bild unten links: Die bereits bezahlten Mörder erschlagen Kilian, Kolonat und Totnan.
  • Bild unten rechts: Nach der Aufdeckung der schrecklichen Tat kommt es zum Strafgericht vor Gozbert. Der eine Mörder bringt sich mit dem Schwert selbst um, der andere beißt sich im Wahn die Finger ab, Gailana wird vom Teufel geholt.

Treffend schildert Stoß jedes Detail der Legende. Er schafft mit wenigen Mitteln eine packende Darstellung der Tat und eine genaue Charakterisierung der Täter.
Münnerstadt besitzt mit diesen vier Tafeln hervorragende Werke des großen Nürnberger Meisters.

Besichtigung

Öffnungszeiten der Stadtpfarrkirche St. Maria Magdalena: Mai bis September täglich 8.00-18.00 Uhr, Oktober bis April täglich 8.00 - 16.00 Uhr, an Sonn- und Feiertag erst nach dem letzten Gottesdienst ab etwa 11.30 Uhr.

Während eines Gottesdienstes ist keine Besichtigung möglich!
Führungen durch die Kirche (Dauer 30-60 Min) über


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97702 Münnerstadt 
Tel.: 09733/787482
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